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Im Bandweberhaus des Freilichtmuseums gefertigte Bänder

Eiweißpflanzen

Alleskönner Hülsenfrüchte im LVR-Freilichtmuseum Lindlar

Hülsenfrüchte wie Linsen, Erbsen, Ackerbohnen und Lupinen binden Stickstoff im Boden, bringen Vielfalt auf den Acker und liefern hochwertiges Viehfutter. Mit ihrem hohen Eiweißgehalt werden sie auch in der menschlichen Ernährung immer beliebter. Das LVR-Freilichtmuseum Lindlar zeigt in einem Feldbauversuch Linsen, Ackerbohnen, Futtererbsen und Lupinen und informiert seine Besucherinnen und Besucher in Kooperation mit der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) über den besonderen Wert dieser Pflanzen.

Auf der rund 100 Quadratmeter großen Fläche innerhalb der Museumsäcker wächst, was derzeit in aller Munde ist: Pflanzliches Eiweiß. Die Vereinten Nationen haben das Jahr 2016 zum „Internationalen Jahr der Hülsenfrüchte“ erklärt, um auf den besonderen Wert der Pflanzen hinzuweisen, den sie für die Versorgung mit lebenswichtigem Eiweiß besitzen. Ob in der menschlichen Ernährung oder als Futtermittel – Hülsenfrüchte erfahren daher in diesem Jahr überall große Aufmerksamkeit.

Die vielfältigen Bodenverbesserer

Mit ihren sogenannten „Knöllchenbakterien“ bewirken Hülsenfrüchte im Boden ein wahres Wunder: Sie binden den Stickstoff der Luft und versorgen die Pflanze so mit wichtigen Nährstoffen. Diese Eigenschaft hat sich der Mensch bereits vor über 200 Jahren in der sogenannten Mehrfelderwirtschaft zunutze gemacht, um die Bodenfruchtbarkeit zu verbessern. Darüber hinaus dient der Blütenreichtum von Hülsenfrüchten auch als Nahrungsquelle für Insekten.

Das Ringen um Eiweißquellen

In der landwirtschaftlichen Milch- und Fleischproduktion wird seit vielen Jahrzehnten eiweißhaltiges Futter zur Leistungssteigerung eingesetzt. Früher stammten die Pflanzen fast ausschließlich aus hofeigenem Anbau. Noch bis in die 1950er Jahre gehörten Futtererbse und Ackerbohne in die Fruchtfolge dieser Betriebe, später auch andere Hülsenfruchtarten. Heute wird das benötigte Eiweiß überwiegend importiert.

Die Eiweißpflanzenstrategie des Bundeslandwirtschaftsministeriums

Um den heimischen Anbau von Hülsenfrüchten zu fördern, hat das Bundeslandwirtschaftsministerium (BMEL) eine Eiweißpflanzenstrategie entwickelt. Mit der Eiweißpflanzenstrategie werden Vorhaben zur Züchtung verbesserter Sorten, Entwicklung und Verbesserung von Verfahren im Ackerbau und in der Fütterung sowie zur Herstellung von Rohstoffen für Lebensmittel gefördert.

Ein weiteres wichtiges Element ist der Erfahrungsaustausch in der Praxis. Dazu wurden Netzwerke mit Betrieben aufgebaut, die Erkenntnisse aus der Forschung in der Praxis testen und dabei durch intensive Beratung unterstützt werden. Ziel dabei ist es den heimischen Anbau voranzubringen. So gibt es das Lupinen-Netzwerk, in dem 53 konventionelle und ökologisch wirtschaftende Betriebe ihre Erfahrungen im Lupinenanbau weitergeben. Das Netzwerk hat jüngst erste Erkenntnisse im Internet veröffentlicht. Sogenannte „Leuchtturmbetriebe“ gibt es auch in Demonstrationsnetzwerken zu Erbse/Bohne sowie Soja.

Der Erfolg lässt sich sehen: 73 Prozent mehr Körnerleguminosen

Dass die Eiweißpflanzenstrategie wirkt, zeigen die Anbauzahlen: Im Jahr 2014 hat die Anbaufläche von Körnerleguminosen in Deutschland im Vergleich zum Vorjahr um 26 Prozent zugenommen, 2015 dann noch einmal um 73 Prozent auf insgesamt 177.400 Hektar. Vorläufige Zahlen des Statistischen Bundesamtes lassen darauf schließen, dass die Anbaufläche auch in diesem Jahr noch mal zugenommen hat.

Dies lässt sich auf die Umsetzung des "Greening", die in zahlreichen Bundesländern angebotenen Agrarumwelt- und Klimamaßnahmen sowie insbesondere die intensive Förderung von Beratung und Wissenstransfer sowie die Forschungs- und Entwicklungsvorhaben in der BMEL-Eiweißpflanzenstrategie zurückführen.

Hülsenfrüchte im LVR-Freilichtmuseum Lindlar

Die Anbaufläche im LVR-Freilichtmuseum Lindlar ist bis zur Erntereife (Mitte September) während der Öffnungszeiten des Museums zu besichtigen.

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